Bevormundung
In jungen Jahren sind die Kinder …
bevormundet, später nicht minder,
von den Eltern, wie man weiß,
dank der Erziehung Rat und Preis.
„Esse deine Suppe auf“, so sagt man,
„Fertig mit der Hausaufgabe?“, fragt man,
„Mal den Kreis schön kugelrund“,
„Führ’ die Finger nicht zum Mund“.
Später heißt es: „Komm’ pünktlich heim“,
das Zimmer aufgeräumt muss sein;
„Sei nicht so schlampig, sei bemüht“,
ein Leben lang das gleiche Lied.
Noch später: „Hast du etwa Sorgen?“,
„Ist etwas? Soll ich Geld dir borgen?“,
„Sei strebsam im Beruf. Vertrag dich …
mit deinem Ehepartner“, sag ich.
„Gib nicht für Unsinniges viel aus“,
„Warum sparst du nicht auf ein Haus?“,
„Erzieh’ die Kinder nicht zu streng“,
„Sieh, so wie wir, nicht alles eng“.
Ganz später, die Eltern um die Achtzig,
der Nachwuchs Sechzig … und er macht sich,
meinen dieselben: „Zieh dich warm an –
weil man sonst Husten kriegen kann!“
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Das letzte Wort
Ein Mann beschwert sich bei seiner Frau:
„Du sprichst zuviel, ich weiß genau.
Und außerdem hast du stets das letzte Wort,
und beharrst darauf in einem fort.“
Da spricht die Frau zu ihrem Mann:
„Man dies auch anders sehen kann.
Wenn ich was sag’, zwar oft zu dir –
und du bist still, was kann ich dafür?“
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Foto: O. Stock priv.
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