SCHÖNBERGER besucht THW DEGGENDORF

„Wer Bevölkerungsschutz ernst nimmt, muss Einsatzkräfte unterstützen“

Wie gut ist das Technische Hilfswerk (THW) auf größere Krisen und hybride Bedrohungen vorbereitet? Wo muss der Bund bei Ausstattung und Finanzierung nachbessern? Darüber informierte sich die Bundestagsabgeordnete Marlene Schönberger (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) bei einem Besuch des THW-Ortsverbands Deggendorf. Mit Ausbildungsbeauftragter Ulf Jarczak, Zugführer Sven Kruse sowie fünf Gruppenführer*innen sprach sie über die Erfahrungen aus dem Einsatzalltag und die Herausforderungen für den Bevölkerungsschutz.

Als Mitglied des Innenausschusses beschäftigt sich Schönberger intensiv mit der Frage, wie der Bevölkerungsschutz krisenfester und Einsatzkräfte besser unterstützt werden können. Das THW mit seinen mehr als 650 Ortsverbände bundesweit wird überwiegend aus dem Bundeshaushalt finanziert. „Für mich ist wichtig, mit den Einsatzkräften vor Ort in den persönlichen Austausch zu kommen. Sie wissen aus ihrer Praxis am besten, wo Handlungsbedarf besteht“, so Schönberger.

Im Gespräch wurde deutlich, dass es insbesondere bei der Ausstattung und Finanzierung des THWs weiterhin Herausforderungen gibt. Für den Erhalt und die Wartung der vorhandenen Fahrzeuge seien mehr Mittel nötig. Zugführer Sven Kruse berichtet zudem: „Viele unserer Fahrzeuge werden nicht bedarfsgerecht beschafft. Insbesondere werden LKWs mit einer für unseren Aufgabenbereich ungeeigneten Motorisierung und zu geringer PS-Leistung angeschafft. Gleichzeitig werden teilweise Fahrzeuge mit Sonderausstattungen beschafft, die für den vorgesehenen Einsatzzweck nicht erforderlich sind. Eine zweckmäßige Serienausstattung wäre in diesen Fällen vollkommen ausreichend. Statt die Beschaffung konsequent an den tatsächlichen Anforderungen der täglichen Praxis auszurichten, werden somit einerseits wichtige Leistungsmerkmale vernachlässigt und andererseits Ausstattungsmerkmale berücksichtigt, die keinen entsprechenden Mehrwert bieten.”

Für die ehrenamtlichen Einsatzkräfte ist eine verlässliche Ausstattung eine zentrale Voraussetzung für ihre Arbeit. Gruppenführer Julian Sixt bringt es auf den Punkt: „Unsere Leute investieren unzählige Stunden und viel persönliches Engagement in den Schutz unserer Bevölkerung. Sie übernehmen damit Verantwortung für unser Land – ehrenamtlich und neben Beruf und Familie. Als ehrenamtliche Leitung muss ich deshalb sicher sein können, dass meine Helferinnen und Helfer im Einsatz mit gutem und verlässlichem Material arbeiten können.”

Schönberger unterstützt diese Forderungen: „Wenn wir von einem krisenfesten Katastrophen- und Zivilschutz sprechen, muss der Bund auch sicherstellen, dass die Einsatzkräfte über eine verlässliche und zeitgemäße Ausstattung verfügen.”

Eine weitere zentrale Herausforderung ist die Gewinnung und Ausbildung ehrenamtlicher Einsatzkräfte. „Wir könnten schon noch mehr Aktive gebrauchen“, legte Ausbildungsbeauftragter Jarczak dar. Das THW bemüht sich deshalb nicht nur um die Nachwuchsgewinnung bei Jugendlichen, sondern auch darum, mehr Frauen für das Ehrenamt zu gewinnen. Der Frauenanteil im Ortsverband liegt derzeit bei gut einem Viertel.

Schönberger sieht bei der Stärkung des Ehrenamts auch die Bundesregierung in der Verantwortung: „Für viele Menschen ist ein Ehrenamt heute eine zusätzliche Belastung im Alltag. Das ist für die gesamte Gesellschaft von Nachteil, denn Ehrenamtliche leisten einen wertvollen Beitrag für unsere Gemeinschaft. Ich sehe es als genuine Aufgabe der Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen zu schaffen und das Ehrenamt gezielt zu stärken.“

Für Schönberger zeigt der Besuch in Deggendorf vor allem eines: „Wir brauchen die Ehrenamtlichen des THW für unsere Resilienz – sowohl im Umgang mit den Folgen der Klimakrise als auch im Verteidigungsfall. Bevölkerungsschutz beginnt bei den Einsatzkräften und diese müssen die Unterstützung bekommen, die sie für ihre Arbeit brauchen.”

Foto: Büro Schönberger

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