Tag des offenen Denkmals in Oed bei Altdorf – Familie Genser saniert einzigartiges Bauernhaus
Altdorf. Wer sich an ein solches Sanierungsprojekt wagt, der braucht mehr als Geduld und gute Nerven. Er braucht vor allem gute Beispiele, die als Vorbild dienen und zeigen: Ja, es geht und ja, es wird ein Schmuckstück werden. Diese Vorbildfunktion ist mit ein Grund für den Tag des offenen Denkmals, der seit 1993 bundesweit dazu einlädt, Geschichte vor Ort zu erleben und einen exklusiven Blick in Baudenkmäler zu werfen. Ziel der Initiative ist es, Interesse für das kulturelle Erbe zu wecken.
Anlässlich des Aktionstages informierten sich Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, Bezirksrätin Martina Hammerl, Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling und der stellvertretende Landrat Hans-Peter Deifel vor Ort beim Bauernhaus der Familie Genser in Oed bei Altdorf über das Sanierungsprojekt.
Jahrhundertealte Hofstelle neu belebt
Die Geschichte der Hofstelle in Oed reicht bis in die Gotik im 14. Jahrhundert zurück; das Wohngebäude selbst ist seit 1554 belegt. Das Anwesen befindet sich im Familienbesitz. Eva-Maria Genser war schon als Kind von dem Anwesen fasziniert. Der Impuls zur Sanierung keimte in ihr auf, als sie die BR-Sendung „Leben im Denkmal“ sah.
Gemeinsam mit Ehemann Christian Genser setzt sie das Projekt seit Sommer 2023 um. Obwohl bereits eine Baugenehmigung für einen Neubau vorlag, ließ das alte Haus die Familie nicht los. „Wir dachten anfänglich, es geht gar nicht mehr, dieses Gebäude zu retten“, beschreibt die Familie ihre Skepsis. Den Ausschlag gaben die Expertise des Architektenbüros Bergmann sowie ermutigende Vorbilder. Bei einer ersten Besichtigung betonte ein Architekt, das Haus könne „ein richtiges Schmuckstück werden“.
Den entscheidenden Anstoß lieferte jedoch Altdorfs Bürgermeister Sebastian Stanglmaier, der für die Sanierung der Klingsölde im Jahr 2021 sogar mit dem Denkmalpreis des Bezirks Niederbayern ausgezeichnet worden war. Er lud die Familie zu sich ein, um zu zeigen, wie sich in einem Denkmal lebt. „Dies war für uns der entscheidende Moment“, betont Christian Genser. Es brauche sowohl Profis als auch Vorbilder aus der Praxis, um den Mut für ein solches Vorhaben aufzubringen.
Auch die Abstimmung mit den Denkmalfachstellen verläuft positiv. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich unterstrich, dass die Denkmalpflege nicht nur fordere, sondern auch fördere und mit Kompromissen sehr lösungsorientiert arbeite. „Die Experten wissen genau, dass ein Haus genutzt werden muss – und dazu braucht es heute eben einen gewissen Wohnkomfort.“
Einzigartiges Kulturgut in Niederbayern
Die Mühe lohnt sich, denn das Bauernhaus gilt als eines der ältesten in Niederbayern und bietet künftig 200 Quadratmeter Wohnfläche. Laut Bezirksheimatpfleger Dr. Clemens Knobling wird ein seltener Haustyp bewahrt, der in dieser Form nur nördlich von Landshut vorkommt. Typisch ist das „Frackdach“, dessen Konstruktion an der Wetterseite bis ins Erdgeschoss hinabreicht. Architekt Jakob Münsberg betonte zudem, dass es das einzige erhaltene bäuerliche zweigeschossige Haus aus dem 16. Jahrhundert im Landkreis Landshut ist. Fachleute wiesen außerdem nach, dass hier einst Wein angebaut wurde, wovon ein Gewölbekeller zeugt.
Trotz kleinerer Anpassungen – wie dem Anbau oberer Räume 1711 oder dem Ausmauern des Erdgeschosses im 19. Jahrhundert – blieb der Kern unberührt. Die Raumstruktur entspricht noch heute dem Zustand vor knapp 500 Jahren; der historische Blockbau im Obergeschoss ist erhalten.
Herausfordernde Sanierung mit Blick auf 2027
Die Sanierung gleicht einem „Marathon“, der eine enge Abstimmung erfordert. Das Gebäude musste komplett unterfangen und um etwa 20 Zentimeter angehoben werden. Ziel ist es, das Haus vor dem Winter abzudichten, damit 2027 der Innenausbau starten kann. Bei der Heizung setzt die Familie auf Scheitholz und Pellets aus dem eigenen Wald. Ein Anbau anstelle des früheren Stalls (seit den 70er-Jahren abgerissen) nimmt Garage und Technikräume auf.
Gefördert wird die Maßnahme durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, den Entschädigungsfonds Bayern und den Bezirk Niederbayern. Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich lobte den Einsatz der Bauherren: Solche Gebäude besäßen ein Flair, das ein Neubau nie erreichen könne. Verläuft alles nach Plan, feiert Familie Genser zu Weihnachten 2027 ihren Einzug.