Vilsbiburg. Am Ende war grenzenloser Jubel – und genau das war es, was an diesem Samstagabend zählte.
Pure Emotion lag in der Luft, als Spielführerin Pia Fernau den Meisterpokal von VBL-Geschäftsführerin Kim Oszwald-Renkema entgegennahm, zu ihren Mitspielerinnen lief und die Trophäe triumphierend in die Höhe stemmte. Eine Szene, die auch Katja Wühler Gänsehaut bereitete. Die ehemalige Spielerin der Roten Raben erinnerte sich dabei an das Jahr 2008, als sie selbst als Kapitänin den Verein zur ersten deutschen Meisterschaft geführt hatte.
Die gesamte Ballsporthalle feierte mit: Mehr als 1500 Zuschauer applaudierten begeistert und waren sich einig, dass sich die Roten Raben diesen Titel mehr als verdient hatten. Über die gesamte Saison hinweg dominierte das Team die Sparda 2. Liga Pro eindrucksvoll – bei 27 Spielen musste es nur eine Niederlage hinnehmen, aus der es immerhin noch einen Punkt aus Stralsund mitnahm.
Für Pia Fernau wurde die Siegerehrung gleich doppelt besonders: Sie führte ihr Team nicht nur als Zuspielerin und Kapitänin zum Titel, sondern wurde auch zwölfmal zur wertvollsten Spielerin (MVP) gewählt – häufiger als jede andere Akteurin in der Saison 2025/26.
Ach ja – Volleyball wurde an diesem Abend auch gespielt. Zum letzten Heimspiel empfingen die Roten Raben die BayerVolleys Leverkusen und stellten dabei einen weiteren Rekord auf: Die Mannschaft blieb die gesamte Saison über zuhause ungeschlagen. Auch Leverkusen musste sich dem Team von Trainer Guillermo Gallardo klar mit 0:3 (23:25, 12:25, 19:25) geschlagen geben.
Gallardo blieb dabei seiner Linie treu und setzte erneut auf Spielerinnen wie Jenni Liu, Alayna Crabtree und Julia Brandhuber, die im Saisonverlauf meist Ergänzungsspielerinnen gewesen waren. Sie alle zahlten das Vertrauen mit starken Leistungen zurück. Besonders Außenangreiferin Alayna Crabtree überzeugte und wurde von Leverkusens Trainer Dirk Sauermann zur MVP der Partie gewählt.
Wenn ein 1,72 Meter großes Kraftpaket eine 1,86 Meter große Diagonalangreiferin am Netz blockt, kann es eigentlich nur Crystal Burke sein. Auch an diesem Abend zeigte die Amerikanerin wieder ihre Klasse. In der kommenden Saison wird sie allerdings nicht mehr im Trikot der Roten Raben zu sehen sein – sie kehrt in ihre Heimat zurück.
Ebenfalls Abschied nimmt Julia Brandhuber. Das Vilsbiburger Eigengewächs beendet seine Karriere und will sich künftig verstärkt dem Beruf als Lehrerin widmen. Sie verlässt den Volleyball „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, nachdem sie in den vergangenen beiden Spielzeiten maßgeblich zum Erfolg beigetragen hatte.
Sportlich taten sich die Roten Raben im ersten Satz zunächst schwer, fanden aber ab Mitte des Durchgangs ihren Rhythmus. Nach einer zwischenzeitlichen Führung von 24:19 wurde es noch einmal spannend, ehe der Satz mit 25:23 gesichert wurde.
Im zweiten Satz drehte das Team nach einem kurzen Rückstand (0:2) richtig auf. Vor allem Alayna Crabtree glänzte mit druckvollen Aufschlägen, starken Angriffen und stabiler Annahme. Leverkusen hatte dem kaum etwas entgegenzusetzen – 25:12 nach nur 18 Minuten.
Nach einer ungewohnten Zehn-Minuten-Pause machten die Roten Raben da weiter, wo sie aufgehört hatten. Allerdings warfen die Damen aus Leverkusen noch einmal alles in die Waagschale. Doch in der entscheidenden Phase setzten sich erneut die Roten Raben durch und entschieden den Satz mit 25:19 für sich.
Damit bleiben die Roten Raben in dieser Saison zuhause ungeschlagen. Zum Abschluss steht noch das Auswärtsspiel beim VfL Oythe an.
Neben der Mannschaft gab es an diesem Abend noch weitere Gründe zum Feiern: Auch mehrere langjährige Schiedsrichter wurden verabschiedet. Joachim Mattner war über 30 Jahre national und international im Einsatz, Rainer Heichel blickt auf mehr als 25 Jahre zurück, und Hans-Peter Hartwig, zuletzt als Supervisor tätig, bringt es sogar auf beeindruckende 40 Jahre im Schiedsrichterwesen.
Foto: Andreas Geißer