Tournee startet am 6. Juni – Konzepte für zwei neue Stücke vorgestellt
Landshut. Kürzlich trafen sich die Beteiligten des Theaterprojekts KULTURmobil zu ihrem alljährlichen Konzeptionsgespräch, um die künstlerische Planung für die diesjährige Spielzeit zu konkretisieren. Auch Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich hatte sich die Zeit genommen, um sich über das geplante Programm zu informieren. Beim Gespräch präsentierten Regisseurin Susanne Schemschies (Gärtnerplatztheater München) und der Regisseur Achim Bieler (Athanor Akademie Passau) ihre Inszenierungskonzepte.
Schemschies, die Regie bei „Lahme Ente, blindes Huhn“ des Kinderbuchautors Ulrich Hub führt, umriss Handlung und Charakter des Stücks für das Kinder- und Familienprogramm. In der Geschichte einer Ente und eines Huhns finden zwei ungleiche Charaktere zueinander. Sie unternehmen eine abenteuerliche Reise und erobern sich ihren Platz im Leben – trotz oder gerade wegen ihrer Einschränkungen. „Es ist ein Stück darüber, wie Freundschaft entsteht und was Freundschaft aushält. Außerdem ist es ein Plädoyer für die Möglichkeiten, die sich durch Fantasie und Mut eröffnen“, so Schemschies. In musikalischer Hinsicht wird einiges geboten: Vom Luis-Trenker-inspirierten Bergwanderer-Lied bis hin zu Melodien, die an „Indiana Jones“ erinnern, wurde alles eigens für die Inszenierung geschrieben und komponiert. Dies zeigte der Komponist Martin Kubetz direkt anhand eines Musikbeispiels.
Das Konzept von Bühnenbildnerin Claudia Weinhart zielte darauf ab, eine Bühne zu planen, die schnelle Szenenwechsel und Illusionen erlaubt. Die Entwürfe der Kostümbildnerin Lena Baumann zeigten: In Punkto Kostümbild dürfen sich die Kinder und Familien auf eine schillernde, „beflosste“ Ente und ein „ausbordendes Rüschenchaos“ beim titelgebenden Huhn freuen.
Für das Abendprogramm präsentierte Achim Bieler seine Ideen zum Stück „Faust 1 + 2 + 3“ von Felix Krakau. Dabei wird die berühmte Vorlage Goethes grundlegend neu erzählt. Das Stück arbeitet mit wichtigen Figuren und Szenen des Originals, zeichnet sich aber durch einen offenen humoristischen und kritischen Umgang mit der Vorlage aus. „Wir nehmen Goethes Stoff ernst, hinterfragen ihn aber auch mit einem modernen kontrastierenden Blick – insbesondere das altmodische Frauenbild der Vorlage“, sagte Bieler. Faust, Gretchen und Mephisto sind Teil der Geschichte. Stellenweise steigen sie jedoch aus der Handlung aus, um sie zu kommentieren oder infrage zu stellen. Entsprechend wird die Inszenierung vom Aufbrechen der Szenenillusion, schnellen Rollenwechseln, Stilvielfalt und Lebendigkeit geprägt sein. Im Zentrum stehen menschliche Abgründe in Form von Gier, Unersättlichkeit, Allmachtsambitionen und „Über-Leichen-Gehen“. „Wir werden das Publikum in eine Welt zwischen klassischem Drama, Theatershow und spielerisch-bissiger Komödie entführen“, fasste es Bieler zusammen.
In diesem Jahr gehört auch die Musik zum künstlerischen Konzept: Der Akkordeonist Daniel Zacher hat sie für „Faust 1 +2 + 3“ komponiert und wird sie bei den Gastspielen live auf der Bühne spielen. Die stilistische Vielfalt des Stücks demonstrierte Zacher in den angespielten Hörproben, die mal melancholisch, mal wild, mal ironisch angelegt sind und so die unterschiedlichen Stimmungen der Szenen präzise tragen und unterstreichen. Ebenso stilistisch vielfältig sind die Kostümentwürfe, die von der spießigen Kleidung Fausts bis hin zum Club-Outfit Mephistos reichen. Das Bühnenbild von Claudia Weinhart stellt wiederum die Verbindung von Himmel und Hölle samt Showaspekten ins Zentrum.
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, der das Projekt bestens kennt, zeigte sich angetan von den verschiedenen künstlerischen Konzepten: „KULTURmobil ist für viele Gemeinden in Niederbayern ein kulturelles Highlight. Das habe ich selbst schon oft erlebt. Ich freue mich, dass der Bezirk Niederbayern auch in diesem Jahr wieder professionelles Theater zu den Bürgerinnen und Bürgern bringt.“
Am 6. Juni wird KULTURmobil seine diesjährige Tournee beginnen und bis zum 30. August dreißig Kommunen in Niederbayern bereisen. Alle Termine und Spielorte sind unter www.kulturmobil.de zu finden.
Bildunterschrift:
Im Bild: (v. l., 1. Reihe) Claudia Weinhart, Dr. Laurenz Schulz, Achim Bieler, Susanne Schemschies, Dr. Clemens Knobling; (2. Reihe), Dr. Olaf Heinrich, Hanna Schnelle, Gerhard Schuller, Lena Baumann, Martin Kubetz und Daniel Zacher
Foto: Bezirk Niederbayern, Sabine Bäter