Plädoyer für „Menschenrechtsstrophe“
Die bayerische ÖDP empfiehlt die Einführung einer Hymnenpflicht in allen Ministerien des Freistaates: nicht erst ab Beginn des Schuljahres, sondern sofort und täglich. In einzelnen Ministerien sollten bestimmte Textpassagen der Bayernhymne durch noch häufigere Wiederholung vertieft werden: „Er behüte Deine Fluren“, sei so ein Halbsatz aus der ersten Strophe, den die ÖDP dem Vize-Ministerpräsidenten Hubert Aiwanger besonders ans Herz legt. „Wer Gottes Schutz für Bayerns Fluren erbittet, kann doch nicht allen Ernstes wie Aiwanger beim Karpfhamer Volksfest verkünden, dass er mit aller Kraft gegen eine Reduzierung des Pestizideinsatzes auf den Feldern kämpfen werde“, meint ÖDP-Bezirksrat Urban Mangold, Sprecher der ÖDP Bayern.
Dem Ministerpräsidenten Söder empfiehlt die ÖDP, einen Auszug aus der zweiten Strophe über seinen Badezimmerspiegel aufzuhängen und schon früh morgens zu trällern: „Dass mit Deutschlands Bruderstämmen einig uns ein jeder schau“!
Außerdem macht sich die ÖDP auch für eine Wiedereinführung der weitgehend unbekannten dritten Strophe der Bayernhymne stark, die die Jahrzehnte im Lob Gottes des Bistums Passau überdauert hat: Von Alfons Goppel 1966 empfohlen, von Franz Josef Strauß wieder verworfen, wäre die dritte Strophe heute eine eindringliche Ermahnung der Regierung Söder, meint die ÖDP. „Gott mit uns und Gott mit allen, die der Menschen heilig Recht, treu beschützen und bewahren, von Geschlechte zu Geschlecht“ – diese „Menschenrechtsstrophe“ wäre nach Ansicht der ÖDP „das Kontrastprogramm zum dumpfen Slogan ‚Bayern first‘, weil sie den Blick über den bayerischen Tellerrand hinaus öffnet, auf das Recht aller Menschen“. „Damit wäre die Bayernhymne ein Protestsong gegen das Geschrei der in Teilen rechtextremen AfD. Die singen dann bestimmt nicht mehr mit“, glaubt Mangold.
Im Übrigen hätte nach Ansicht der ÖDP „eine Empfehlung an die Schulen gereicht“. Die CSU solle nicht „mit Aktionismus von den eigentlichen Problemen ablenken“.