Ein Nachmittag mit PICASSO

In Vertretung von Oberbürgermeister Alexander Putz eröffnete Stadtrat Ludwig Zellner die Ausstellung in der Hl. Geist Kirche mit Fotografien von Hubertus Hierl. Die musikalische Gestaltung übernahm Marcos Victora-Wagner mit seinem Spiel auf der Gitarre.

Hubertus Hierl (2. von links), geboren 1940 in Regensburg – aufgewachsen in Niederleierndorf, einem kleinen Dorf zwischen Regensburg und Landshut besuchte das Gymnasium in Regensburg und studierte dort für das Lehramt. Seit 1980 ist Hierl Herausgeber und Autor für Unterrichtsmedien. Hubertus Hierl lebt heute in Landshut. Er beschäftigte sich schon mit 14 Jahren mit der Fotografie. Das Hauptinteresse gilt der Life-Fotografie. Vorbilder waren und sind Fotografen wie Cartier-Bresson, Werner Bischof oder Ernst Haas. Damals wie heute stehen Menschen im Mittelpunkt der fotografischen Arbeit – heute sind es vor allem Künstlerpersönlichkeiten, die Hubertus Hierl mit der Kamera beobachtet und begleitet.

Pablo Ruiz Picasso war ein spanischer Maler, Grafiker und Bildhauer. Sein umfangreiches Gesamtwerk umfasst Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Collagen, Plastiken und Keramiken, deren Gesamtzahl auf 50.000 geschätzt wird. Es ist geprägt durch eine große Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen und Techniken.

Fréjus – 7. August 1966:

Der junge Fotograf Hubertus Hierl entdeckt während eines Stierkampfes im südfranzösischen Fréjus Pablo Picasso mit seiner Frau Jacqueline unter den Zuschauern.

Ein Glücksfall für Hierl, denn Picasso gab dem Fotografen Hierl zu verstehen, dass er einverstanden sei, fotografiert zu werden. Es entsteht die umfangreichste Bilderfolge, die Picasso in einem Umfeld zeigt, dass Zeit seines langen Lebens zu seinem großen Thema gehört: Dem Stierkampf. Zugleich ist es die letzte umfangreiche Dokumentation Picassos in der Öffentlichkeit. Ein Mann mit weißer Schirmmütze bahnt Picasso beim Verlassen der Arena den Weg durch das Gedränge: Es ist Arias, Picassos Friseur und enger Vertrauter. Hubertus Hierl hält mit seiner Kamera das Geschehen in einer Bilderfolge fest, bis Picasso den Wagen zur Abfahrt besteigt.

In zahlreichen Fotografien zeigt Hubertus Hierl diese Begegnung Picasso und Arias. Die herzliche Verbindung zwischen ihnen kommt auf den Bildern deutlich zum Ausdruck: Arias schirmt Picasso beim Verlassen der Arena vor den Umstehenden ab – ganz unauffällig hält er den 85-jährigen Picasso am Arm und stützt ihn – Picasso flüstert Arias ins Ohr. Rafael Inglada von der Fundación Picasso, Museo Casa Natal, Malaga, zeigt die Stationen auf, die zur Freundschaft Picassos mit Arias führten. Inglada schreibt: „Picasso fand in Arias einen Verbündeten, einen Vertrauten, der ihm nichts abverlangte, der treu war und zudem größtmögliche Diskretion wahrte.“

Dr. René Hirner, der ehemalige Direktor des Heidenheimer Kunstmuseums referierte über die Affinität Picassos zum Stierkampf. Picasso war zeit seines Lebens begeistert von der Corrida, dem Stierkampf. Diese Begeisterung widerspiegele sich in seinen Werken. Der Stierkampf sei für Picasso immer Thema und Herausforderung geblieben. Die Intensität des Augenblicks im Angesicht von Leben und Tod – diese Grenzerfahrung machen die Corrida zum idealen Transportmittel seines künstlerischen Ausdrucks. Immer ist dabei der Kampf zwischen Mann und Frau, Tier und Bestie, Kunst und Wirklichkeit symbolisch aufgeladen und chiffriert. Die Tauromachie (Technik des Stierkampfs) als Szenerie des Lebens und des Mythos, wurde in der Kunst von Picasso als Wechselspiel von Kampf, Spiel, Bewegung, Kontrast und Ästhetik in immer neuen Serien und Variationen bearbeitet.

-hjl-

Fotos:
h.j.lodermeier

 

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