Häuslich Gewalt darf nicht alltäglich sein

Für SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller bietet das Lagebild des Bundeskriminalamts Anlass zur Sorge

Häusliche Gewalt ist Alltag in Deutschland. Das legt das neue Lagebild des Bundeskriminalamts nahe. „Dass häusliche Gewalt Alltag ist, heißt aber nicht, dass wir sie als etwas Alltägliches abtun dürfen“, betont SPD-Landtagsabgeordnete Ruth Müller. Ganz im Gegenteil: mehr denn je müsse man die Opfer im Blick haben und die Betroffenen schützen. 80,1 Prozent der Opfer von Partnerschaftsgewalt und 71,1 Prozent der Opfer Häuslicher Gewalt sind weilblich. Die Täter sind in der Mehrzahl (76,3 Prozent) männlich.

„Nachbarinnen, Freundinnen und Kolleginnen müssen sensibilisiert und der Zugang zu niederschwelligen Angeboten ausgebaut werden“, fordert sie als frauenpolitische Sprecherin der BayernSPD-Landtagsfraktion. Die Kapazitäten der Frauenhäuser müssten ausgebaut werden, so dass der Staat einen Rechtsanspruch auf einen Platz im Frauenhaus bieten kann. Grundvoraussetzung sei eine verlässliche Finanzierung, betont Müller.

Das Problem: Nur 30 Prozent der Frauen kennen die Hilfesysteme wie Frauenhäuser, Notruftelefone oder Fachberatungsstellen. Die Öffentlichkeitsarbeit müsse deshalb dringend verbessert werden. Das hört sie auch bei ihren regelmäßigen Besuchen in Frauenhäusern überall in Bayern. Zwar sind die Frauenhäuser zumeist voll, doch bei weitem nicht jede Frau weiß, dass diese Möglichkeit überhaupt besteht.

„Wir müssen die Opfer ermutigen, die Taten bei der Polizei anzuzeigen“, betont Müller. Angst und Scham seien nachvollziehbar, dürften einer Strafverfolgung aber nicht im Weg stehen. Nur so könnten die Täter zur Verantwortung gezogen werden, ermutigt Müller die Betroffenen, sich der Polizei anzuvertrauen. Das gelte insbesondere, wenn der Täter aus der eigenen Familien stammt. Zuhause sollte man sich schließlich sicher fühlen.

Alle vier Minuten wird eine Frau Opfer von Gewalt ihres Partners. Beinahe jeden Tag versucht ein Partner oder Expartner eine Frau zu töten. 133 Frauen haben 2022 auf diese Weise ihr Leben verloren. Dabei muss Gewalt nicht immer mit Schlägen oder Misshandlungen einhergehen, auch Stalking und Psychoterror gehören – immer öfter – dazu. Beispielsweise wurden 44.044 Frauen Opfer von Bedrohung, Stalking oder Nötigung. Bei 95.736 Frauen ermittelte die Polizei wegen vorsätzlicher einfacher Körperverletzung, in den Fällen von 17.312 Frauen wegen gefährlicher Körperverletzung. Insgesamt sind laut des Lagebildes des Bundeskriminalamtes 240.547 im vergangenen Jahr Opfer von Häuslicher Gewalt geworden – 8,5 Prozent mehr als 2021.

„Gewalt gegen Frauen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem“, betont Müller. Sie fußt auf Rollenbildern, die sich in unserer Gesellschaft über Jahrhunderte manifestiert haben – und zum Teil heute noch bestehen. Betroffen seien deshalb Frauen jeden Alters und unabhängig von Bildungsstand, Einkommen, Nationalität oder sozialer Schicht. „Es ist auch wichtig, dass die Opfer das wissen. Sie tragen keine Schuld an dem, was passiert ist“, betont Müller.

Bildbeschreibung:
Ruth Müller, MdL bei einem ihrer Besuche im Frauenhaus.
Foto:
Peter Litvai

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