Tschechischer Sozialdemokrat Libor Rouček erhält den Karlspreis – Ruth Müller, MdL gratuliert

An Pfingsten fand in Regensburg der 73. Sudetendeutsche Tag statt.

Höhepunkt war die Verleihung des Karls-Preises, der in diesem Jahr gleich an zwei Preisträger ging: An Christian Schmidt, MdB a.D., Hoher Repräsentant der Staatengemeinschaft für Bosnien-Herzegowina und Dr. Libor Rouček, MdEP a.D., ehemaliger Vizepräsident des Europäischen Parlaments. Ihm gratulierte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der BayernSPD-Landtagsfraktion und Generalsekretärin der BayernSPD, Ruth Müller, MdL. Erst vor zwei Jahren hatte Rouček für seine Verdienste um Europa den Wenzl-Jaksch-Gedächtnispreis der SPD-Landtagsfraktion erhalten.

Den Festakt eröffnete der Landesobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft Steffen Hörtler mit den Worten „Flucht und Vertreibung darf es nie wieder geben“. In dem diesjährigen Motto „Schicksalsgemeinschaft Europa“ spiegelte sich auch die Bestürzung über den Angriffskrieg auf die Ukraine wider.

Gertrud Maltz-Schwarzfischer, die Oberbürgermeistern der Stadt Regensburg, freute sich in ihrem Grußwort, dass die Veranstaltung in Regensburg stattfindet und verwies u.a. auf Neutraubling, ganz in der Nähe von Regensburg, wo sich viele Sudetendeutsche nach dem Zweiten Weltkrieg angesiedelt haben. „Und nicht nur dort, sondern auch in ganz Bayern“, resümierte sie.

Pavel Bělobrádek, Mitglied des Tschechischen Abgeordnetenhauses, ging auf die, noch immer schwierige Diskussion in Tschechien über die Vertreibung der Sudetendeutschen ein und stellte fest, dass aber inzwischen die Annäherung Früchte trüge und den Nationalisten in Tschechien stark entgegenträte. Man befasse sich mehr mit der Geschichte der Deutschen in der Tschechoslowakei und erkenne, dass sie viel weiter zurück gehe, als nur bis zum Dritten Reich.

Grüße brachte die Parlamentarische Staatssekretärin aus dem Bundesinnenministerium Rita Schwarzelühr-Sutter, MdB, mit, stellvertretend für die gesamte Bundesregierung, insbesondere von Bundeskanzler Olaf Scholz. Sie betonte die besondere Bedeutung der Sudetendeutschen und wie wichtig es sei, dass sie nach ihrer Vertreibung wieder eine Heimat gefunden hätten, „ein starker Beitrag zur Völkerverständigung“, stellte sie in ihren Ausführungen fest.

Die Laudatio hielt der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe Dr. h.c. Bernd Posselt MdEP a.D. Er sprach von seiner langjährigen Freundschaft mit beiden Preisträgern, „der eine Deutscher und Christdemokrat und der andere Tscheche und Sozialdemokrat“, daran sähe man, dass es für die Sache keinen Unterschied mache. „Europa spricht zwei gemeinsame Sprachen, das sind zum einen die Musik und zum anderen der Dialog“ und der Dialog dürfe nie beendet werden, das habe er schon sehr früh mit beiden erleben dürfen und „daraus ist eine langjährige Freundschaft entstanden“, so Posselt.

Der Sozialdemokrat Libor Rouček nahm die Zuhörer in seiner Dankesrede in seine Kindheit mit – als der Eiserne Vorhang noch existierte. „Meine Mutter nannte mich schon als Kind einen Träumer, das begleitet mich ein Leben lang. Ich träumte in meiner politischen Laufbahn immer von einem freien Europa ohne Grenzen und in Frieden, dafür habe ich mich ständig eingesetzt“. Sein Weg führte ihn bis in die Vereinigten Staaten als Redakteur zu Voice of America, wieder zurück über Österreich und London, nach Tschechien in die Regierung und von da ins Europäische Parlament, wo er Vizepräsident war. Heute ist er Tschechischer Vorsitzender des Deutsch-Tschechischen Gesprächsforums. „Und noch immer setzt er sich für seinen Traum eines Vereinigten Europas ein, dafür danken wir ihm ganz herzlich“, betonte Ruth Müller, MdL.

Foto:
Karin Hagendorn,
Abgeordnetenbüro Ruth Müller

 

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