Bilder voller Kraft und Zartheit zeigt die neue Ausstellung von Rut Kohn in der Artothek Niederbayern
Mainkofen.
Zur Eröffnung der Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde. Eine Hommage an Niederbayern“ am 21. Mai sprach Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl über die unverkennbare Handschrift der Künstlerin: „Beim Betrachten ihrer Bilder sehe ich auf den ersten Blick, was es ist. Das ist ein Kohn.“ Die Werke strahlen Ruhe und Unruhe zugleich aus und erzählen viel von Heimat – ein Thema, bei dem ihm als Vertreter des Bezirks Niederbayern angesichts des Ausstellungsuntertitels das Herz aufgehe. Besonders habe ihn zudem der Lebenslauf der Künstlerin bewegt.
Rut Kohns Biografie ist geprägt von Vertreibung und Neuanfang: 1937 in Brüx in der ehemaligen Tschechoslowakei geboren, musste ihre Familie auf Anordnung der Nationalsozialisten den Heimatort binnen 48 Stunden verlassen. Die Jugend verbrachte sie in Prag, wo sie Lehrerin wurde. 1967 floh sie mit ihrem Mann Pavel und zwei Kindern nach Deutschland. Erst 1979 begann sie dort mit der Malerei — und fand ihre Berufung als Illustratorin in München. Seither wurde sie mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Seerosenpreis der Stadt München, dem Ehrentitel „Bedeutende tschechische Frau in der Welt“ des Staates Tschechien sowie zuletzt dem Kultursonderpreis des Landkreises Rottal-Inn.
Bildhauer Bernd Stöcker würdigte in seiner Laudatio Kohns unverwechselbare Technik: Als Autodidaktin zeichnet sie beispielsweise mit Farbstiften auf unbehandelte, ungrundierte Sperrholzplatten – die Wirkung kommt einem Fresko nahe. „Seit einiger Zeit kratzt sie zuerst mit einem Stahlstift in eine Holzplatte und zeichnet erst dann darauf mit einem Farbstift. Der Duktus der Kratzspuren bleibt als Struktur ablesbar“. Seit 1990 hat Rut Kohn ihren Lebensmittelpunkt in Triftern, und die Landschaft des Rottals mit seinen verstreuten Höfen ist zu einem zentralen Motiv ihres Schaffens geworden.
Auffällig in Kohns Bildwelt: Die Häuser haben meist keine Fenster. Fenster seien ihr schlicht nicht wichtig, erklärte die Künstlerin selbst. Das Haus tritt bei ihr als Symbol für Schutz und Geborgenheit auf – ein Thema, das aus ihrer eigenen Geschichte erwächst. Doch Trauer empfinde sie darüber nicht mehr: „Ich habe nicht die Heimat verloren. Ich habe die Welt gefunden“. Und, so betont die Künstlerin, „Zwischen Himmel und Erde sind wir alle gleich.“
Die Ausstellung „Zwischen Himmel und Erde. Eine Hommage an Niederbayern“ ist bis 25. September 2026 in der Artothek Niederbayern auf dem Gelände des Bezirksklinikums Mainkofen, Haus D2, 94469 Deggendorf, zu sehen.
Weitere Infos und Öffnungszeiten unter www.artothek-niederbayern.de
Bildbeschreibung (v. l.): Bezirkstagsvizepräsident Dr. Thomas Pröckl, Anette Röhr, Leiterin der Artothek Niederbayern, Rut Kohn und Bernd Stöcker
Foto: Bezirk Niederbayern, Sabine Bäter

Abbildung aus der Ausstellung: links aus dem Zyklus Landschaft I, Farbstiftzeichnung auf Holz; rechts: Wolken II
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