Weihnachts- und Neujahrsgrußwort von Regierungspräsident Rainer Haselbeck

Vieles, wenn nicht alles, ist 2022 anders gekommen, als wir gedacht haben.

Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Jedenfalls die Welt, in der wir uns gut eingerichtet hatten. Heute wissen wir: Demokratie, Freiheit, Sicherheit, das alles ist nicht so selbstverständlich, wie es uns über eine lange Zeit erschienen ist. Wir sind auch in Europa nicht gefeit vor Bedrohungen von außen. Und wir sind nicht gefeit vor Versuchen, unsere Gesellschaft von innen zu zersetzen – mit aggressiver Irrationalität, die sich zunehmend vernetzt. Alles schrecklich? Ja, doch gibt es auch eine gute Nachricht zum Ende dieses Jahres: Man hat beklagenswerte Entwicklungen nicht nur hinzunehmen. Man kann etwas tun – man muss es aber auch. Das haben wir in Niederbayern 2022 vielfach unter Beweis gestellt. Und genau das wird auch im kommenden Jahr wieder gefordert sein.

Zusammenhalt und Solidarität machen eine Region erst lebenswert. Es war beeindruckend, mit welcher Hilfsbereitschaft Menschen in Niederbayern mitgeholfen haben, über zehntausend Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine bei uns aufzunehmen und ihnen ein Dach über dem Kopf anzubieten. Mein Dank gilt allen, die die Regierung und die Kreisverwaltungsbehörden bei dieser außerordentlichen Aufgabe mit so viel Herzblut unterstützt haben. Vielfältige weitere Beispiele aktiver Anteilnahme, im Großen und im Kleinen, zeigen, dass unsere Gesellschaft nach wie vor intakt ist. Verantwortung übernehmen über das persönliche Umfeld hinaus: Diese Kultur des Miteinanders wird in Niederbayern gelebt, in tausendfachem ehrenamtlichen Engagement. In unseren Vereinen kommen Alt und Jung zusammen, verfolgen gemeinsame Ziele und pflegen den unmittelbaren Austausch. Das ist dringend notwendig, zumindest als Ergänzung zur permanenten Nachrichtenflut in den letztlich oft ichbezogenen sozialen Medien. Besonders gefreut hat mich in diesem Jahr, dass ich 40 Kommunalpolitikern die kommunale Verdienstmedaille überreichen konnte. Wir brauchen solche Menschen, die mehr tun. Die Demokratie, wir alle, brauchen aktive Demokraten!

Unterstützung der Schwächeren, Leistung aller anderen: Die niederbayerischen Betriebe und ihre Belegschaften zeigen sich angesichts der Folgen von Pandemie und Ukraine-Krieg bemerkenswert robust. Das liegt auch an staatlicher Wirtschaftsförderung. Die Regierung von Niederbayern konnte, mit Unterstützung der IHK, allein eine Milliarde Euro Corona-Hilfen einsetzen. Vor allem aber ist die niederbayerische Wirtschaft gut aufgestellt, mit hoher Innovationskraft und einer enormen Einsatzbereitschaft. Der Aufstiegswille, der Niederbayern in den letzten Jahrzehnten so ausgezeichnet hat, ist nach wie vor zu spüren. Wir dürfen nicht nachlassen und werden diese Mentalität, die auch außerhalb unseres Regierungsbezirks geschätzt wird, gegenüber den kommenden Herausforderungen unbedingt brauchen.

Aktuell ist die niedrigste Arbeitslosigkeit in ganz Bayern ein guter Rückhalt. Die Menschen haben Arbeit und damit die Grundlage für ein gutes Leben. Doch sind die wachsenden Belastungen der Unternehmen enorm und geben Grund zu ernster Besorgnis. Energiepreise, Inflation, Materialknappheit und fehlende Arbeitskräfte trüben die Aussichten ein und fordern uns heraus. So ist Niederbayern zwar „Weltmeister“ beim Einsatz von Photovoltaik und erzeugt damit rechnerisch über 90 Prozent des Stromverbrauchs. Das wird aber nicht reichen. Beiträge zu schnelleren Verfahren beim Ausbau der notwendigen Energieleitungen und die Unterstützung von Vorhaben zur stärkeren Nutzung der Windkraft werden Arbeitsschwerpunkte im nächsten Jahr sein. Dabei sind und bleiben wir natürlich auch in Niederbayern auf die notwendigen großen Weichenstellungen in der Energiepolitik dringend angewiesen.

Unser Wohlstand, er muss jedes Jahr aufs Neue erwirtschaftet werden. Dazu müssen wir attraktiv sein für Menschen, die bei uns leben und arbeiten wollen. Das gilt für Einheimische genauso wie für Zuziehende. Das Lebenspaket in Niederbayern, von der Kindheit bis ins Alter, im Beruf und in der Freizeit, für die gesamte Familie – es ist gut. Aber es muss immer wieder erneuert und verbessert werden: Mit dem Schutz einer intakten Natur, gemeinsam mit der kulturell und wirtschaftlich so wichtigen Landwirtschaft. Mit guter Betreuung und Bildung unserer Kinder. Mit unserem starken Handwerk genauso wie mit exzellenten Hochschulen. All diese Bereiche werden von hoch engagierten Menschen gestaltet, denen ich ausdrücklich danke. Auch die Sicherheit ist ein besonders hoher Wert. Niederbayern ist der sicherste Regierungsbezirk mit der geringsten Kriminalitätsbelastung. Danke an unsere Polizei, auch für die ausgezeichnete Zusammenarbeit. Die Hilfsorganisationen und unseren Katastrophenschutz beziehe ich in diesen Dank ganz ausdrücklich mit ein. Sie haben sich in den Krisen der jüngsten Zeit hervorragend eingesetzt und bewährt.

Ein besonders wichtiges Signal für unsere Zukunft ist es, dass die Staatsregierung in diesem Jahr den Medizincampus Niederbayern endgültig auf den Weg gebracht hat. Gesundheit und Pflege werden Megathemen der nächsten Jahre sein, von denen unsere Lebensqualität entscheidend abhängt. Respekt vor allen, die sich hier für uns engagieren!

Die Herausforderungen sind groß, vieles erscheint ungewiss. Aber wir haben uns gemeinsam in Niederbayern eine gute Ausgangsposition erarbeitet, von der wir in das kommende Jahr gehen. Was sollen andere sagen, die weit weniger gut dastehen? Lassen Sie uns auf unsere Stärken besinnen und weiter gemeinsam für unsere Heimat Niederbayern eintreten!

Ich wünsche Ihnen für die Regierung von Niederbayern und ganz persönlich ein gesegnetes Weihnachtsfest sowie ein gesundes, friedvolles neues Jahr 2023.

Ihr

Rainer Haselbeck

Regierungspräsident

Foto:

Regierung von Niederbayern

weitere Beiträge